Bye Bye Bündner Edelhahn ...


Wie im wahren Leben muss man auch im Geschäftsleben das Ego manchmal zurückstellen und der Vernunft ihren Raum geben. Das Projekt des «Bündner Edelhahns» ist Vergangenheit.


Was hat uns zu dieser Entscheidung bewogen?


Gemeinsam mit einigen Bauern 1*) haben ich in den letzten sieben Jahren ein Projekt geschaffen, Poulet (Hahn & Henne) so zu produzieren, wie sich das die grosse Mehrheit der Konsumentinnen und Konsumenten bestimmt wünscht. Mit der unkonventionellen Trockenschlachtung und der mehrwöchigen Reifung konnten wir sogar die anfängliche Skepsis der Wissenschaft widerlegen und so dem Projekt noch die Krone aufsetzen.



jungedelhaehne

Amrock-Hähne im Albulatal


Unsere Quintessenz:


Das Ergebnis ist grossartig, man kann Poulet nach höchsten qualitativen, ethischen und nachhaltigen Kriterien produzieren. Und das sogar ausschliesslich mit Schweizer Futter – wohlgemerkt, auch das Mastfutter ist sojafrei.


Unsere ernüchternde Erkenntnis ist jedoch, dass es gegenwärtig wirtschaftlich noch nicht tragbar ist, Poulet nach diesem Standard zu produzieren.


Und auch kochtechnisch braucht es Know-how, welches heute beim Laien wie beim Profi nur mehr vereinzelt vorhanden ist. Doch wie soll es auch anders sein: Solches Poulet wird schon zu lange nicht mehr produziert, selbst in Frankreich nicht.




Wo liegen die Knackpunkte?


  • Auch mit einem Mikroprojekt wie dem «Bündner Edelhahn» ist man verpflichtet, die gleichen Auflagen zu erfüllen wie die Pouletindustrie, technisch wie auch administrativ.


  • Das Alter verlängert sich um das Sechs- bis Achtfache gegenüber einem normalen Poulet, und diese lange Lebenszeit schlägt sich natürlich massiv auf die Futterkosten nieder.


  • Das Futter selbst, nur «Bio Schweiz» und antibiotikafrei, hat natürlich ebenfalls einen anderen Preis als Importfutter.


  • Die Futterverwertung der alten Landrassen ist eine andere, u. a. weil sich die Tiere viel im Freien bewegen und nicht auf Mast gezüchtet sind.


  • Die ethische und stressfreie Schlachtung benötigt viel Zeit: Nur acht bis zehn Tiere werden in einer Stunde geschlachtet. Dies liegt natürlich im Interesse der Produzenten selbst, weil sie bis und mit dem Tod ihrer Tiere nur das Beste für sie möchten.


  • Der Preis pro Kilogramm kommt so auf CHF 60.00. Es hat sich leider gezeigt, dass es noch zuwenige regelmässige Abnehmer gibt, um das Projekt wirtschaftlich und nachhaltig weiterführen zu können.


  • Für die Weiterführung des Projekts würden zudem verschiedene Investitionen anstehen, die unter dieser Voraussetzung, nicht tragbar sind.



  • jungedelhaehne

    Die Edelhahnreifung


    Wie geht es nun weiter?


    Ich bin überzeugt, dass diese Geschichte in einigen Jahren funktionieren wird. Das Know-how dafür haben wir zu einem Grossteil bereits erarbeitet, und Papier ist geduldig. Doch ganz besonders Poulet und Eier gehören heute zu jenen Produkten, bei denen die Herdengrösse wohl den grössten Einfluss auf den Preis hat.


    Manchmal muss man einen Schritt zurück machen, um später wieder zwei Schritte vorwärtszugehen. Oder anders gesagt: Für ein Revival dieses alten Handwerks ist jetzt leider noch nicht der richtige Zeitpunkt.


    Einen ganz besonderen Dank allen, die das Projekt so grossartig unterstützt und mitgetragen haben.


    1*) Ueli Heinrich, Sabina Heinrich Tschalér, Andrea Accola (alle Albulatal), Alexander Juon (Safiental).



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